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 GESCHICHTE
Kirchengemeinde Rödinghausen
Die Rödinghausener Bartholomäus-Kirche
Die Bierener Kirche
Eine Grabstätte im Kurpark
Die Geschichte der Glocken
Streit um Kirchenstühle (aus dem Jahr 1894)

GESCHICHTE UNSERER KIRCHENGEMEINDE
 




 
 

Zur Geschichte der Kirchengemeinde

Die Ev.-Luth. Kirchengemeinde liegt am Südhang des Wiehengebirges, im Westen angrenzend an das Land Niedersachsen bzw. die Hannoversche Landeskirche, im Norden an den Kirchenkreis Lübbecke. Sie besteht aus zwei Bezirken:
1) Nordteil von Ostkilver, Rödinghausen und der größte Teil von Schwenningdorf,
2) Bieren und der östliche Teil von Schwenningdorf.

Zu ihr zählen sich ca. 3850 Gemeindeglieder (Stand: 2003). An Gebäuden gehören ihr zwei Kirchen, zwei Gemeindehäuser (Bieren und Schwenningdorf), Haus an der Kirche in Rödinghausen mit Gemeindebüro und Kirchencafé, frühere Kantorei mit Diakoniestation und Altes Pfarrhaus auf der Wehme. Die Kirche in Rödinghausen gehört zu den herausragenden Bau- und Kunstdenkmälern der Gemeinde Rödinghausen und wird bereits 1233 urkundlich erwähnt. Damals war sie Patronatskirche der Äbtissin von Herford. Möglicherweise hat sie noch viel früher als Holzkirche bestanden. Wilhelm v.d.Bussche, Erbherr zu Waghorst, hat die Kirche 1509 vergrößern lassen, ihr gotische Formen gegeben und 1520 den geschnitzten Flügelaltar gestiftet, der in 13 Bildern die Passionsgeschichte Jesu, Kreuzigung, Auferstehung, Himmelfahrt und Jüngsten Tag zeigt. Aus dem Jahr 1596 stammt eine Bibel in plattdeutscher Sprache, von der es in Bibliotheken in Hamburg und Göttingen noch zwei weitere Exemplare gibt. 1816 entstand durch einen Brand in einer benachbarten "Bude"(wohl eine Seifenkocherei) eine großer Schaden an der Kirche, die nur deshalb nicht völlig abbrannte, weil viele halfen, das Feuer zu löschen und es riskierten, daß ihre eigenen Häuser abbrannten - darunter auch der Oberschulten Hof, insgesamt 11 Gebäude im Süden und Westen der Kirche. 1893 erweiterte man das Mittelschiff durch Querhausarme.

Die schön gebaute Kirche zog immerhin im letzten Jahr allein über 2000 Besucher außerhalb von Gottesdiensten an. Über die Geschichte der Pastoren von ca. 1400 bis ins letzte Jahrhundert gibt das Rödinghauser Predigergedächtnis von A.G. Schlichthaber Auskunft. Zur Reformationszeit gab es drei Geistliche in Rödinghausen. Die erste Pfarrstelle wurde damals bisweilen aus politischen Gründen besetzt, 1528 z.B. mit einem Amtmann. Die zweite Stelle, auch von Wilhelm v.d. Bussche gestiftet, war eine Vikarie. Öfter versieht auch ein Kaplan Dienst, wie z.B. Jost Deterding, von dem bei einer Visitation 1533 bekannt wird, daß er seine Magd geheiratet hat und das Abendmahl in beiderlei Gestalt austeilt. Auch die anderen Geistlichen "haven ein jeder ein bi sich, ein person, damit sie kinder haven". Bereits zu reformatorischer Zeit hat St. Bartholomäus zwei "Filialen" in Bieren und Westkilver. Die Kirche in Bieren wurde 1908 als Nachfolgerin einer in Fachwerkbauweise ausgeführten Kapelle - "Klus" genannt - errichtet, nun ganz aus Bruchstein. Der Altarraum mit Sakristei und Taufkammer ist an der Stirnseite des Gebäudes als Halbkreis an das Kirchenschiff angefügt. Die Kirchengemeinde Westkilver, wo seit dem 15. Jh. eine Kirche steht, wurde 1911 und endgültig 1928 von Rödinghausen selbständig. Aus der Nazi-Zeit ist eine Anekdote über einen kleinen Akt Rödinghauser Widerstands zu berichten: Der von Hitler ernannte Reichsbischof Ludwig Müller (von 1909 bis 1913 Pfarrer in Rödinghausen) wollte am 25.4.1935 "in seiner früheren Gemeinde einen Gottesdienst halten (und bittet) um Überlassung der Kirche". Das Presbyterium beschließt nach langer Aussprache in namentlicher Abstimmung mit 6 gegen 5 Stimmen, "zu Veranstaltungen der Deutschen Christen, also auch zu Gottesdiensten durch den derzeitigen Reichsbischof, trotz aller gebotenen Rücksichtnahme auf unseren früheren Gemeindepfarrer (...) unsere Kirche, kirchliche Gebäude und Einrichtungen nicht zur Verfügung zu stellen". Müller reist an und findet die Kirche verschlossen. Pastor Beckmann ist unterwegs und der Schlüssel nicht zu finden. Heute bestehen folgende Gruppen und Kreise in beiden Pfarrbezirken, die die Gemeindearbeit tragen und beleben: Singkreis (gegr. 1927,1934), Posaunenchor (gegr. 1880,1906) ebenso mehrere Frauenkreise, CVJM mit verschiedenen Kinder- und Jugendgruppen, Krabbel- und Spielgruppen; Hausbibelkreis; Bastel- und Handarbeits- und Krativkreise in Bieren. Zwei Suchtkrankenvereine bringen sich seit über 20 Jahre durch Treffen in den Gemeindehäusern sowie Evangelisationswochen und Bazare ebenfalls in die Gemeindearbeit ein. Das im Juni jeden Jahres gefeierte Missionsfest in Bieren, dem heute mehrere Verkündigungsabende vorausgehen, fand zuerst 1909 auf Buntemöllers Hof in Dono, später auf verschiedenen Höfen bis zuletzt Meyers Hof an der Bierener Kirche statt. Der 1892 gegründete CVJM betreibt seit sieben Jahren eine Partnerschaftsarbeit mit dem YDP (Youth Developmant Project) in Freetown, Sierra Leone (Westafrika). Dort wurde eine gut funktionierende, inzwischen fast selbständige Tischlerei-Lehrwerkstatt aufgebaut. Die Beziehung zwischen den Vereinen wird durch keine Zwischeninstanzen gestört; durch jährliche Besuche und viele Briefe ruht die Arbeit auf dem Fundament persönlicher Kontakte.